Trauma, Traumapädagogik und traumsensible Arbeit

Wann spricht man von einem Trauma? Wie kann die traumsensible Arbeit und die Traumapädagogik Menschen mit einem Trauma unterstützen und welches sind traumapädagogische Ansätze dazu? Hier finden Sie eine Beschreibung.

Trauma

Einschneidende Ereignisse wie Schicksalsschläge, Belastungen und Überforderung sind Teil des Lebens. Wir alle erleben sie. Viele Menschen sind trotz dieser Erfahrungen in ihrer Lebensqualität nicht oder wenig beeinträchtigt oder gewinnen daraus sogar mehr Lebensqualität. Andere Menschen hingegen sind durch diese Erfahrungen in ihrer Lebensqualität stark beeinträchtigt oder leiden unter einer Traumafolgestörung. Einige dieser einschneidenden Ereignisse, wie z.B. Gewalterfahrungen, werden von der Gesellschaft als tiefgreifendes psychisches Trauma erkannt und auch als solches anerkannt. Es gibt aber auch viele Formen von Traumatisierungen, die nicht offensichtlich sind und trotzdem genauso tiefe Spuren hinterlassen und entsprechende Auswirkungen haben. ​

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Weiterbildungen 
&
Workshops
in Traumapädagogik und traumasensibler Arbeit

Ob ein einschneidendes Ereignis zu einer Traumafolgestörung führt oder nicht, hat zum Teil mit der Art des Ereignisses zu tun. Es hat aber auch damit zu tun, was nach dem Ereignis geschah – insbesondere damit, ob eine Drittperson das einschneidende Ereignis wahrnahm, ernstnahm und sich fürsorglich um den betroffenen Menschen kümmern konnte. Wenn man die Geschichten der betroffenen Menschen kennt, die bereits im Kindesalter traumatisiert wurden, weiss man, dass gerade sie dieses Glück oftmals nicht hatten. Manchmal war sogar das Gegenteil der Fall. Diejenige Person, die sich fürsorglich um das Kind hätte kümmern sollen, vermochte es nicht, das Kind zu schützen oder war sogar Verursacher bzw. Verursacherin des Traumas. 

Schatten an der Wand
Trauma
verstehen
und traumatisierte
Menschen nachhaltig unterstützen.

Trauma verstehen

Trauma* und dessen Auswirkungen zu verstehen ermöglicht es Fachpersonen und Laien, von Trauma betroffene Kinder, Jugendliche und Erwachsene nachhaltiger zu unterstützen. Dieses Verstehen bildet die Grundlage, um im Leben der betroffenen Menschen einen wesentlichen Unterschied zu machen – sei dies im Arbeitsleben (z.B. in der sozialpädagogischen Arbeit), im Familienleben oder im Freundeskreis.

Das Verstehen von Trauma und dessen Folgen zeigt auf,

  • was neurobiologisch und psychologisch bei einer Traumatisierung geschieht;

  • warum gewisse Menschen durch einschneidende Erlebnisse scheinbar mehr und andere weniger betroffen sind; 

  • warum solche Erlebnisse zu Beeinträchtigungen und Störungen führen können, aber nicht in jedem Fall auch tatsächlich dazu führen;

  • wieso aus früheren Traumatisierungen auch Jahrzehnte später noch Beeinträchtigungen bestehen können; 

  • wie diese Beeinträchtigungen (Folgestörungen) neurobiologisch und psychologisch funktionieren;

  • dass es viele Möglichkeiten gibt, förderliche Veränderungen und Entwicklungen zu bewirken.

*Ein psychisches Trauma ist ein belastendes Ereignis oder eine aussergewöhnliche Bedrohung, das (bei gleichen Gegebenheiten) bei nahezu jedem Menschen eine tiefgreifende Verzweiflung hervorrufen würde und von überwältigender Angst und Hilflosigkeit begleitet ist. Betroffene erleben den totalen Verlust der Kontrolle, des Vertrauens in sich und andere, der Hoffnung und der Geborgenheit. Dabei wird jegliches Gefühl von Sicherheit und Gerechtigkeit erschüttert.

Traumasensible Arbeit und Traumapädagogik

In den 80er Jahren flossen die neuen Erkenntnisse der Traumapsychologie zunehmend in die Pädagogik ein. So entstand im deutschsprachigen Raum der Begriff der Traumapädagogik. Parallel dazu bildete sich im englischsprachigen Raum der Begriff der trauma informed care.

 

Heute ist die Bezeichnung Traumapädagogik etwas zu einschränkend, denn die auf den Erkenntnissen der Traumapsychologie beruhende Arbeit mit Menschen ist auch in nicht-pädagogischen und in nicht-beruflichen Settings relevant. Die Traumapädagogik bzw. die traumasensible Arbeit betrifft alle Berufsgruppen und Menschen, die mit traumatisierten Menschen zu tun haben und diese Menschen unterstützen wollen: z.B. im Gesundheitsbereich, in der Sozialarbeit, Justiz, Familienpflege und Ausbildung oder im eigenen Familien- und Freundeskreis.

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Traumasensible Arbeit und Traumapädagogik

Zur Begrifflichkeit: Wir von Proficere verwenden die Begriffe Traumapädagogik und traumasensible Arbeit austauschbar. 

Seiden-Textur
Die traumasensible
Perspektive
Traumapädagogik

Die traumasensible Perspektive

«Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.» Diese Lebensweisheit findet sich auch in der Traumapädagogik. Und so stellt sich die Frage, was wir tun können, um trotz erschwerten Umständen eine gesunde und vielfältige Entwicklung zu fördern. 

 

Die Traumapädagogik baut auf der Psychotraumatologie (Lehre der Traumafolgestörung) auf, also auf dem Verstehen der Auswirkungen eines Traumas. So liefert sie wertvolle Anhaltspunkte über die Gründe für Störungen. Mit dem Verstehen der Zusammenhänge zwischen früheren und aktuellen Belastungen, der daraus entstehenden Folgen und allfälligen Störungen eröffnen sich neue Möglichkeiten.

So sehen wir in der Traumapädagogik also z.B. nicht ein manipulatives Kind, das nicht will und uns mit Absicht enttäuscht. Sondern wir sehen einen Menschen, der aufgrund seiner schweren Belastungen alles in seinen Möglichkeiten Stehende tut, um im Leben zurechtzukommen – auch wenn dies im Moment nicht wirklich gut funktioniert. Durch diese neue Sichtweise kommen wir weg von Sprüchen wie «Man kann ein Pferd zum Wasser führen, aber man kann es nicht zum Trinken zwingen», der die pädagogische Hilflosigkeit ausdrückt. Stattdessen finden wir Wege, wie Trinken wieder möglich wird.

Meistens entdecken wir bei den Betroffenen dann auch wieder Schönes und Stärken und können darauf aufbauen. So begleiten wir das Kind oder die erwachsene Person auf seinem bzw. ihrem individuellen Weg, wenden neues traumapädagogisches Wissen und passende Methoden an und sind vorbereitet für herausfordernde Momente.

Traumapädagogische Ansätze

 

Wesentliche Bestandteile der Traumapädagogik sind z.B. die Beziehungsarbeit, der gute Grund, der sichere Ort, Partizipation, klare und transparente Kommunikation und Selbstkompetenzen wie Achtsamkeit und Empathiefähigkeit. Diese Methoden sind nicht neu; sie bestanden bereits zuvor und werden in der Traumapädagogik ebenfalls genutzt. Die Traumapädagogik lehrt uns nun, wie wir diese Methoden mit Geschick und auf der Basis der Psychotraumatologie gewichten und kombinieren. 

 

Die Traumapädagogik baut auch auf Methoden und Ansätzen auf, die aus der Psychotherapie und Traumaforschung abgeleitet und in der Pädagogik noch nicht oder wenig bekannt sind. Dazu gehört insbesondere die Übertragung und Gegenübertragung, Selbstregulierung, Stabilisierung, Psychoedukation oder der Umgang mit Triggern (auslösende Reize), die traumatische Erinnerungen bzw. daraus resultierende Verhalten hervorrufen. Ein wichtiges Arbeitsinstrument ist auch das von Proficere entwickelte traumapädagogische Anwendungsmodell TAM.

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Traumapädagogik
Traumapädagogische
Ansätze

Die Traumapädagogik ist eng verwoben mit anderen Disziplinen wie der Bindungstheorie, Erziehungswissenschaften, Entwicklungspsychologie oder der Resilienzforschung. Auch humanistische Ansätze, wie z.B. die neue Autorität, Biografiearbeit oder Marte Meo passen gut zur Traumapädagogik. Die Traumapädagogik ist aber der Ansatz, der traumatisierten Menschen die grössten Entwicklungschancen ermöglicht – unabhängig davon, ob starke, schwache oder gar keine Anzeichen von Störungen erkennbar sind. 

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Traumapädagogik
als
Wundermittel?

Traumasensible Arbeit als Wundermittel?

Nun sind nicht alle Störungen auf Traumatisierungen zurückzuführen und die traumasensible Arbeit oder die Traumapädagogik ist keine Wunderpille. Sie ist "nur" ein wunderbarer Ansatz. Doch spätestens dann, wenn sich Anzeichen von Traumatisierungen durch die Symptomatik zeigen – z.B. hartnäckige Störungen und Auffälligkeit, bei denen sich trotz grossem Engagement keine Verbesserung zeigt oder die Störungen und Auffälligkeiten sich sogar verstärken – sollte die traumsensible Arbeit als Herangehensweise in Betracht gezogen werden. Weitere Hinweise auf eine Traumafolgestörung können starke Gefühle der Enttäuschung, Ohnmacht, Angst oder Gleichgültigkeit im Helfersystem sein; auch hier kann die Traumapädagogik wertvolle Impulse liefern.